El Palmar 🇪🇸

Was für ein besonderer Ort: El Palmar ist vor allem herzlich, ein wenig anarchistisch, mit den Jahren immer touristischer und trotzdem noch authentisch. Viel barfuß, viel Skateboard, viel Yoga, fast immer Surfboard. Das ist El Palmar. 

In einer der Kurven am Ortseingang wächst Bambus auf der einen Seite, ein streunender Hund läuft auf der anderen Seite. Das Fischrestaurant El Cortijiyo ist noch geschlossen  – Februar ist auch hier die absolute Nebensaison, viele Läden und andere Restaurants sind überraschenderweise trotzdem schon geöffnet. Die Sonne strahlt, die Wellen rollen an den Strand. Auch wir freuen uns auf eine ganze Woche an einem unserer Lieblingsorte: El Palmar in Andalusien. 

Von Gibraltar aus ist die Anreise gar nicht so lang. Und auf einmal ist da ein Fahrradweg, der den Weg nach El Palmar ganz offiziell am rechten Straßenrand markiert. Mit Trennmauer, grün gestrichenem Boden, Markierungen und allem was dazu gehört. Als wir das erste Mal in El Palmar waren, mussten wir noch auf eine privat verfasste Wegbeschreibung vertrauen, die uns die Inhaber des Surfcamps La Luz vorab geschickt hatten. Der kleine Ort nähe Cadiz war damals noch recht unbekannt, ein sogenannter Geheimtipp unter Surfliebhaberinnen und Surfliebhabern. Nicht mal eine offizielle Ausschilderung gab es, viele Straßen waren aus Sand, es gab keine Straßenlaternen. Als wir dieses Mal in den Ort einfahren, fühlen wir uns sofort willkommen und sehen dennoch, dass El Palmar viel touristischer geworden ist. Später hören wir, dass es mittlerweile rund 500-1000 neue Häuser im Ort gibt. Was für eine Wachstumsrate! Verloren hat El Palmar dadurch trotzdem nicht: die Bebauung ist höchstens zweistöckig, Holzstege als Zugang schützen die Dünen und der Strand ist kilometerlang.  

Auf dem Weg zu unserem kleinen Häuschen bzw. Mobile Home stehen wir direkt erst einmal im Stau. Der Fahrer vor uns hat jemanden getroffen, den er kennt. Er hält, ein Plausch beginnt. Hier würde niemand auf die Idee kommen zu hupen. Auch wir warten geduldig ab und lassen den Blick schweifen: hier muss niemand um eine Welle kämpfen – das Line-Up ist gefüllt aber nicht voll. Platz ist genug. Und das, obwohl sich mittlerweile Surfshop an Surfshop reiht, an jeder ecke Boards verliehen werden und Surfstunden spontan gebucht werden können. 

Wir werden von einem Skateboarder überholt und fühlen uns ganz klein in unserem PKW: die meisten Menschen in El Palmar steuern einen Bus, einen Camper-Van oder ein Wohnmobil. Eine Frau fährt mit ihrem Bus an uns vorbei und hat den linken Fuß dabei am Fahrer-Fenster abgestellt. Sie macht bestimmt Yoga – neben Surfen ist das wahrscheinlich der zweithäufigste Sport, der in El Palmar betrieben wird. 

Weil unsere Reise dieses Mal kein Urlaub ist, haben wir uns nicht in das Surfcamp La Luz (nichts wie hin da!) eingemietet, sondern ein Häuschen mit Garten gefunden. Diese Lösung ist einfach preiswerter, natürlich aber auch weniger luxuriös. Trotzdem empfangen Tom und Moni uns gewohnt herzlich und nehmen uns in die aktuellen Surfkurse auf. Unseren Lehrer Javi kennen wir schon seit rund 7 Jahren – auch dieses Mal surfen wir wieder in seiner Obhut. Neue Orte, Strände, Wellen lernen wir trotzdem kennen: die Surflehrer von La Luz geben sich jeden Tag aufs Neue Mühe, den besten Spot zu finden und reagieren immer aktuell auf das Wetter. Surfen geht hier vor Schönwetter und es werden, wenn nötig, auch 30 Autominuten Anreise zum besten Spot in Kauf genommen – je nach Surf-Level. Denn Wellen gibt es in El Palmar von Oktober bis Mai eigentlich immer.

Sollte es euch auch einmal nach El Palmar führen: fliegen kann man nach Granada, Sevilla oder Jerez de la Frontera. Oder man kommt mit dem Auto so wie wir. Durch kleine Schlenker über Andorra, Valencia oder Mojácar haben wir inzwischen ca. 3.500 km auf dem Reisetacho.

In Jerez de la Frontera waren wir dieses Mal übrigens auch: unsere Tochter Lilia hatte in einem Hörspiel von der königlichen andalusischen Reitschule gehört. Wir waren da und ein spontaner Besuch lohnt sich. Vorbuchen war nicht nötig, man sollte aber auf die Trainingstage achten. 

Und dann auf einmal das: Gerade weil El Palmar so eine wahnsinnig schöne Ruhe verströmt und so wunderbar friedlich wirkt, werden wir von der Nachricht über Putins Einmarsch in die Ukraine vollkommen überrumpelt. Auf einmal lesen wir von einem Krieg mitten in Europa und können es nicht fassen. 

#Standwithukraine #nowar

Aus El Palmar reisen wir weiter nach Luz in Portugal.