Bretagne

Frankreichs wilder Westen

Wer aus dem Süden Frankreichs kommt, würde nur in Ausnahmefällen in die Bretagne reisen, hören wir immer wieder. Bretonen sind in Frankreich so etwas wie Ostfriesen in Deutschland: zahlreiche Witze sind Ihnen gewidmet, zudem gelten sie als hinterwäldlerisch, abergläubisch, bockig und trinkfest.
Tatsächlich steht in unserer Unterkunft in Penmarch eine Flasche Cidre zur Begrüßung auf dem Küchentisch. Wir können daran jedoch nichts Schlechtes finden…
Was uns stattdessen auffällt: viele Menschen tragen Baguettes in der Gegend umher, jedes zweite Auto ist ein Renault und Ende August ist die Touristensaison vorbei.

Straßenschild zweisprachig

Bretonische Zweisprachigkeit. Ausgesprochen wird es wie gelesen. Nur anders. (Foto: www.meerfueruns.de / Jonas Müller)

Trotzdem – oder gerade deswegen – bekommen wir sofort einen Platz in einem Surfkurs. Bei keiner Surfschule, bei der wir nachfragen, ist es ein Problem, den Wochenkurs (5 Tage à 2 Stunden inklusive Ausrüstung und Unterricht für 145€) unter uns aufzuteilen. Einer darf ja schließlich mit dem Baby in der Strandmuschel sitzen, während der andere sich im derzeit 16 Grad kalten Atlantik abmüht…
Wir entscheiden uns für „Dezert Point„, weil die Surfschule fast direkt neben unserer Ferienwohnung liegt. Der Unterricht wird auf französisch und deutsch gegeben und die Wellen haben Verständnis dafür, dass wir erst wieder reinkommen müssen in die Welt des Surfens und der weißen und grünen Wellen. Die Brandung meint es in diesen Tagen gut mit uns – und das, obwohl überall Badeverbotsschilder stehen mit den Warnungen: „Schwimmen verboten. Auch kleine Wellen sind hier eine tödliche Gefahr. Seien Sie nicht das nächste Opfer!“

Und nicht nur die Wellen sind uns gnädig: auch das Wetter meint es bisher gut mit uns. Ein bekanntes bretonisches Sprichwort sagt: „Der Regen fällt nur auf die Idioten.“ Wir sind bisher ohne Regen davongekommen. Dafür weht fast immer ein relativ starker Wind.

Auch wenn die Wolken teilweise über den Himmel rasen – die Sonne gewinnt den Kampf gegen die Wolken regelmäßig und taucht die Dünenlandschaft in erstaunlich klares Licht. Kein Wunder, dass so viele bedeutende Maler (unter anderem Monet, Gaugin, …) hierherkamen und noch immer kommen. Auch wir konnten bei unserem ersten Strandspaziergang am Pors Carn einen Maler bewundern, der – nur in Bademantel gekleidet – am Strand stand und sein Werk vollendete.

Wenn wir nicht am Strand sind, machen wir Ausflüge. Empfehlen können wir einen Besuch von Quimper.